Tiefbohrung im Grönland: Bedenken über Rückkehr eines alten Klima-Phänomens

Unter einer massiven Eisdecke unter 500 Metern entdeckten Forschende in Grönland alarmierende Hinweise, die bis zu 7000 Jahre zurückreichen und eine Wiederholung befürchten lassen.

Das grüne Gras unter dem Eis

An einem Ort, wo heute eine gewaltige Schicht aus Eis liegt, wuchs einst grünes Gras unter einem arktischen Himmel. Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat durch beeindruckende Tiefenbohrungen faszinierende Erkenntnisse gewonnen: Der Prudhoe Dome, eine 500 Meter hohe Eiskuppel im nordwestlichen Grönland, war vor etwa 7000 Jahren vollständig eisfrei und es gibt Hinweise, dass sich dieses Phänomen möglicherweise wiederholen könnte.

Ein ambitioniertes Forschungsprojekt

Die internationale Forschungsgruppe GreenDrill von der University at Buffalo startete 2023 ein ambitioniertes Projekt. In einem wochenlangen Einsatz arbeiteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich durch über 500 Meter dickes Eis, bis sie schließlich das darunter liegende Gestein erreichten — eine bedeutende technische Leistung unter den extremen Bedingungen der Arktis. Kürzlich wurden von Forschenden eindrucksvolle Phänomene in der Arktis dokumentiert, die verdeutlichen, wie sich Grönland verändert.

Die Analyse der Sedimente

Die erhebliche Mühe der Forschenden wurde belohnt: Mit den gewonnenen Sedimentproben konnten sie ermitteln, wann das Gestein zuletzt dem freien Himmel ausgesetzt war. Das beeindruckende Ergebnis dieser Untersuchung wurde am 5. Januar 2026 in dem renommierten wissenschaftlichen Journal Nature Geoscience veröffentlicht.

Die Analyse der obersten Sedimentschicht ergab, dass diese vor etwa 7100 Jahren letztmalig dem Tageslicht ausgesetzt war. Die Forschenden verwendeten eine spezielle Datierungsmethode namens Lumineszenz-Datierung: Wenn Sediment durch Eis bedeckt wird, bleiben Elektronen in winzigen Mineralkörnern aufgrund natürlicher radioaktiver Strahlung gefangen, bis wieder Licht auf das Material trifft. Caleb Walcott-George, der Hauptautor der Studie, erklärt: „Das bedeutet, dass der Prudhoe Dome irgendwann vor dieser Zeit geschmolzen ist, wahrscheinlich während des frühen Holozäns, als die Temperaturen etwa drei bis fünf Grad Celsius höher waren als heute.“

Die Größe des Prudhoe Domes

Die Eiskuppel erstreckt sich laut wissenschaft.de über etwa 2500 Quadratkilometer, was in etwa der Größe des Saarlandes entspricht. An ihrer höchsten Stelle misst die Eisschicht circa 600 Meter. Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sich das gesamte Eis erst in den letzten 7000 Jahren neu gebildet hat. Dies hebt die außergewöhnliche Empfindlichkeit dieser arktischen Region gegenüber klimatischen Veränderungen hervor.

Aktuelle Herausforderungen für das Klima

Die gewonnenen Erkenntnisse sind von unmittelbarer Relevanz für die Gegenwart: Berechnungen von Klimaforschenden legen nahe, dass die Temperaturen in der Region des Prudhoe Dome bis zum Ende dieses Jahrhunderts wieder die Werte erreichen könnten, die während des frühen Holozäns herrschten. Der Projektleiter Jason Briner warnt in einer Mitteilung der University at Buffalo: „Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis er sich durch den gegenwärtigen, vom Menschen verursachten Klimawandel erneut zurückzieht.“ Es besteht also die Möglichkeit einer wiederkehrenden Eisschmelze in Grönland.

Besorgniserregende Entwicklungen

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen bereits erste alarmierende Entwicklungen: Die Spalten in den Gletschern weiten sich zunehmend aus. Zwischen 2016 und 2021 vergrößerte sich das Volumen dieser Risse um bis zu 25 Prozent.